2 Jahre Hochschulpolitik – und nun?!

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

2 Jahre in der „gewählten“ Studierendenvertretung – Hat sich das gelohnt?! Um die Antwort schon mal vorweg zu nehmen, und um jeglichem Anflug von Pessimismus der im Text vielleicht enthalten zu sein scheint vorzubeugen: Ja! JA!!

Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, dass ich nicht in der Turnstraße 7 ein und aus gegangen bin. Zwei Jahre war das Gebäude der Studierendenvertretung quasi mein zweites Zuhause. Seit zwei Tagen bin ich nun alle Schlüssel für alle Türen dort los.

Das Studium ist kurz. Selbst wenn man Bachelor und Master an der selben Hochschule studiert werden es kaum mehr als 5 Jahre sein. Selten wird jemand die komplette Studienzeit der Arbeit in der Studierendenvertretung widmen können. Oft läuft es auf eine Amtszeit – 1 Jahr – hinaus. Es gibt schließlich „Musterstudienpläne“, an die man sich teilweise nicht nur halten sollte sondern sogar halten muss, um das Studium abzuschließen – inwiefern das dann noch ein „Vorschlag“ ist oder ein „verpflichtender Stundenplan“ (wie in der Schule) ist nur eine der Debatten die uns beschäftigte. Vielleicht werden es auch mal 2 und man engagiert sich davor und danach noch im eigenen Fach. Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen sammeln ist oft ungemein hilfreich und viel zu oft (zeitlich) kaum möglich. Das alles alleine macht es schon schwer genug, die Interessen von Kommilitoninnen und Kommilitonen in Universität oder in der Landespolitik zu vertreten. Professoren und Landtagsabgeordnete haben schlichtweg mehr Zeit. Amts- und Dienstzeiten sind (normalerweise) länger als ein Studium. Nicht selten beschlich mich in den letzten beiden Jahren das Gefühl, das dieser Umstand sehr wohl „gegen“ Studierende verwendet wurde. Auf eines kann sich Staatsministerium und Hochschulleitung verlassen: In der Studierendenvertretung wird ein Generationswechsel erfolgen. Ein Neuanfang. Neue Personen. Personen, die die (oft) immer selben Phrasen noch nicht gehört haben. Ironischerweise wird dieser häufige Personalwechsel, der sich sowieso schon zum Nachteil der Studierenden auswirkt, auch noch als letzter Strohhalm verwendet, wenn verbindlichen Regelungen (bspw. im Hochschulgesetz) aus dem Weg gegangen werden sollte. Der Wortlaut war leider mehr als einmal: „Ihnen würden wir das auch ohne Bedenken zugestehen. Da wir aber nicht wissen, ob das von nachfolgenden Studierendenvertretungen nicht auch missbraucht wird, möchten wir das aber nicht in Stein [–> gemeint sind jederzeit änderbare Dokumente wie etwa Hochschulgesetz oder Grundordnung einer Hochschule] meißeln.“ Als ich diese Argumentation zum ersten Mal hörte, gestand ich allen zu, es würde ich eben um die ernste Sorge verantwortlicher Gesetzesgeber handeln, die ich ihnen nehmen müsste. Beim zweiten Mal fiel mir nur noch ein: „Sehen Sie, wenn wir uns doch einig sind, dann brauchen wir das auch verbindlich! Wir Studierenden wissen schließlich auch nicht, wer nächster Präsident oder Minister wird und ob diese die Vereinbarungen von heute achten werden.“ Ein Blick in die Gesichter der Runde; Ein paar lächeln; Dann herrscht Schweigen. Alles beim Alten.

Hat sich in den 2 Jahren etwas geändert?! NEIN!!! Und doch ja.

Einige der wichtige Themen 2009: Studiengebühren; kein Semesterticket an der FAU; Verbesserung bei Bachelor- und Masterstudiengängen. Die Situation 2011: Immer noch da; Immer noch nicht da; Immer noch (teils sehr) nötig.

Und dennoch: Zwei Jahre Studierendenvertretung brachten Erfahrung, Fähigkeiten und Bekanntschaften mit sich, die viele „Schlüsselqualifikations-Seminare“ nicht und wenn überhaupt nur schwer und sehr viel trockener vermitteln könnten. All das hat mich selbstbewusster und, auch trotz der 2009/2011-Bilanz – zufriedener gemacht. Zufriedener, weil ich eben nicht mehr entfernter Beobachter und lediglich Betroffener von Prüfungsordnungsänderungen und Studiengebühren bin. Ich war aktiver Teil dieser Prozesse. Kam am Ende immer das dabei raus, was ich mir gewünscht hätte? Nein – sogar eher selten. Wie wichtig es ist sich einzubringen habe ich dennoch gelernt. Natürlich hat die Arbeit Zeit, Mühen und – wie in dem schon geschilderten Fall – Nerven gekostet. Natürlich war das Zeit, die ich zusätzlich in mein Studium investieren hätte können. Aber genauso könnte man jede Minute die man mit Sport, Musik, Freunden oder – in der Prüfungszeit ja durchaus beliebt – Schlaf verbringt ins Studium investieren. Die Message ist denk ich klar… In erster Linie bin auch ich immer Student – Zeit mit der Studierendenvertretungsarbeit zu verbringen war mir aber immer wichtig.

Das stimmt eigentlich nicht ganz. Wintersemester 2007/2008, mein erstes Semester an der FAU. Zugegebenermaßen hatte ich keine Ahnung, dass es den Konvent gibt. Ich hatte schon 2 Hochschulsemester an der TU München hinter mir. Dort hatte ich auch schon von Fachschaftsinitiativen (FSIen) mitbekommen und mich beteiligt. Bis ich auch in Erlangen in der FSI mitgemacht hab, hat es dennoch bis zu meinem 2.Semester gedauert. Immer noch kein Plan was Fakultätsrat, Sprecherrat & Co. sind oder das es sie gibt. Ende des dritten Semesters; In einer FSI-Sitzung wird erwähnt, dass die bisherigen Vertreter meines Fachs in der Fachschaftsvertretung und im Konvent mit dem Studium abschließen werden. Aha, da gibts also irgend sowas, wo man sich über das Fach hinaus engagieren kann. LAK?! ZGS?! fzs?! Senat?! Keinen Dunst wo es sowas geben soll. Um es abzukürzen: Ich war bei der Hochschulwahl im Sommer 2009 sicher kein vorbildlich informierter, vom ersten Tag an auf Studierendenvertretung fixierter Kandidat für die Fachschaftsvertretung der Naturwissenschaftlichen Fakultät. 6 Monate später fand ich mich Montag Nachts um 2 Uhr in der Turnstraße 7 wieder – mit dem versammelten Sprecherrat, in den mich der Konvent gewählt hatte. In einer nicht nur sprichwörtlichen Nacht-und-Nebel Aktion wurden tausende Flyer für eine spontan geplante Informations-, Diskussions- Was-auch-immer-es-werden-würde-Veranstaltung im Audimax gedruckt. Termin: Donnerstag, 19.11.2009. Drei Tage erschien als das Mindeste, um dafür an der FAU zu werben. Dienstag morgen: Das Audimax ist besetzt. Was folgte wissen ein paar vielleicht noch aus eigener Erfahrung. Alle anderen können im Archiv dieser Seite einen kleinen Einblick erhalten. Langweilig wurde es für mich spätestens seitdem nicht mehr – bis heute nicht!

Ich kann alle nur ermutigen nicht „nur“ zum studieren in die Uni zu kommen. Es gibt so viel mehr!!! Auch – und das ist mir eben ganz persönlich – die Studierendenvertretung. Allen, die Bedenken haben ob sie genug Zeit dafür haben kann ich nur sagen: Findet es raus! Alle, die glauben es gäbe keine Thematik für die sie sich interessieren kann ich nur sagen: Ihr habt nur noch nicht genug gesucht! Allen, die denken sie „kennen sich zu wenig aus“ kann ich nur sagen: Ich bin (hoffentlich) ein gutes Beispiel, dass das kein Hindernis sein sollte mal damit anzufangen sich schlau zu machen!

Ein Studium ist wirklich kurz. Der Zeithorizont von Hochschulleitung und Wissenschaftsministerium wird immer länger sein. Solange es beide gibt, wird es aber immer Studierende geben. Wenn sich alle auch nur ein bisschen, und manche ein bisschen mehr, engagieren und vor allem interessieren, wird es keinen Generationswechsel der einem kompletten Neuanfang gleich kommt geben. Eure Prüfungsordnungen und das Hochschulgesetze sind nicht in Stein gemeißelt! Eure „Musterstudienpläne“ wurden auch erst vor (relativ) kurzer Zeit entworfen. Oft genug sind die Verantwortlichen für Module & Co. die Ersten, die sich über Feedback, Verbesserungsvorschläge und Hinweise auf Mängel freuen – wenn auch nicht immer. Nur eines dürfte uns allen klar sein: Wenn wir Studierenden uns mit den Gegebenheiten abfinden ohne über sie nachzudenken, ohne uns zu interessieren warum sie so sind, ohne auszusprechen was uns Probleme bereiter, ohne uns für das einzusetzen, das wir wollen… Dann wird sich kaum etwas ändern!

Ich werde noch ein Jahr versuchen im ZGS dafür zu sorgen, dass mit unseren Studiengebühren kein Unfug getrieben wird – und das wird schwer.

Ich fordere auch euch auf: Beteiligt euch an Projekten die euch interessieren! Teilt eure Ideen mit und initiert selbst Projekte! Nutzt diese Seite um andere auf Veranstaltungen und Ereignisse hinzuweisen! Engagiert euch an eurer Hochschule und darüber hinaus; für eure Kommilitoninnen und Kommilitonen; für euch selbst!!

ES LOHNT SICH!

 

Den gewählten Studierendenvertreterinnen und -vertretern und allen anderen, die sich engagieren wollen wünsche ich viel Energie, gute Nerven und einige Erfolgserlebnisse!

Allen, mit denen ich in den letzten beiden Jahren so manchen langen, diskussionsfreudigen Abend verbringen durfte, möchte ich danken! Es war immer eine tolle Zeit!!! Danke an alle Unimitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die ein offenes Ohr hatten! Danke an alle Engagierten in den Fachschaften, in Fakultätsräten, bei Vollversammlungen, Demos, Studiengebühren-Angelegenheiten, im Konvent, in der LAK und überall sonst! Persönliche Danksagung verkneif ich mir hier, da ich sowieso irgendwem Unrecht tun würde. Ihr wisst hoffentlich selbst am besten wie wichtig manche scheinbaren Kleinigkeiten mir sind! Egal ob ihr mich quasi im Alleingang in den Sprecherrat motiviert habt, ihr hunderte Anrufe bei Technikfragen entgegennahmt,  ihr mit mir in langen Nächten – trotz teils hohem Frustlevel und hitzigen Diskussionen – fleißig und zuverlässig geplant und organisiert habt, und und und… Ich werd es nie vergessen!

Veröffentlicht am in Hochschulpolitik, Uni | 7 Kommentare

Christian Zwanziger

An der Uni Erlangen-Nürnberg: Mitglied des studentischen Konvents und Sprecherrat 10/2009 bis 9/2011; stud. Vertreter im Senat 5/2010 bis 9/2011; Überregional: Sprecher der Landes-ASten-Konferenz Bayern 10/2010 bis 9/2011;

7 Kommentare zu 2 Jahre Hochschulpolitik – und nun?!

  1. Julia sagt:

    Vielen Dank auch an Dich!! Nicht nur für dein Engagement, sondern auch für diesen Artikel!!

  2. Lars sagt:

    Christian, ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen, der Artikel ist wirklich klasse!
    Auch von meiner Seite aus vielen Dank für deinen unermüdlichen Einsatz in den letzten Jahren.

  3. tommy d sagt:

    Weiter so Prof. Willy-Wills-Wissen!

  4. Genau so ist es! Um nur zwei besonders wichtige Punkte nochmal zu „unterstreichen“:

    1. Es lohnt sich wirklich! Mein Studium ist jetzt 2 Jahre her und ich bereue keine Stunde (und kein Semester 😉 ), das ich in die Studi-Vertretung investiert habe.
    2. Man kann nie genug tun, um sicherzustellen, dass Wissen und Erfahrung von einer Studi-Vertreter-Generation an die nächste weitergegeben werden.

  5. Stefan sagt:

    Christian, dein Artikel spricht mir aus der Seele. Ich war natürlich nie so tief drinnen gesteckt wie du und habe meist nur in Gremien, meiner FSI und diversen Arbeitskreisen mitgeholfen. Trotzdem fühlt man sich oft ohnmächtig und ausgebrannt, weil Engagement an der Universität ein ewiger Kampf gegen oben und unten ist. Deswegen muss man auch mal entschieden Nein sagen, wenn z.B. angefragt wird, ob die FSIen nicht die Hochschulwahlen organisieren und umsetzen könnten. (Die Wahl ist für uns die einzige rechtliche Rechtfertigung, also sollte sie der Uni schon mehr wert sein als „kostenlos“.)

    Aber zurück zum Thema. Jetzt, wo du nicht mehr wie Atlas die gesamte Studentenvertretung auf deinen Schultern lasten hast und (hoffentlich) jemand anders dies übernehmen wird, kannst du wieder flink wie ein Wiesel zwischen den Beinen der Fressfeinde durchflitzen und schnelle und punktgenaue Aktionen durchziehen. Genau auf das freue ich mich jetzt! Du hast meine Handynummer… 🙂

  6. Vielen Dank auch von meiner Seite für deinen Einsatz und Engagement. Ich kann die vielen frustrierenden Elemente leider nur allzu gut nachvollziehen, aber um wie viel schlechter wäre es erst wenn niemand mehr etwas tun würde. Deswegen auch von mir noch eine doppelte Unterstreichung mit Ausrufezeichen zu dem Aufruf mitzumachen und Hochschulpolitik aktiv mitzugestalten! Nur wer sich selbst bewegt kann etwas bewegen!

  7. Sven Pfaller sagt:

    Danke für dein Engagement, Chris!

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